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Wie lange hält eine Gasflasche? 10, 20 und 50 Liter durchgerechnet

Wie viele Stunden du mit einer Flasche Argon, Mischgas oder CO2 schweißen kannst, hängt an zwei Zahlen: wie viel Gas drin ist und wie viel pro Minute durch den Brenner geht. Hier ist die Rechnung – und warum die Flasche in der Praxis oft früher leer ist.

Von einem Schweißfachmann (IWS)Stand: 11.10.2026Lesezeit ca. 6 Minuten
Kurz gesagt

Beim MAG-Schweißen mit 12 l/min reicht eine 20-Liter-Flasche (200 bar) rund 6 Stunden reine Brennzeit, eine 10-Liter-Flasche etwa 3 Stunden, eine 50-Liter-Flasche knapp 15 Stunden. Beim WIG-Schweißen mit 5–8 l/min reicht dieselbe Flasche mindestens die Hälfte länger.

So rechnest du es selbst aus

In einer Druckgasflasche steckt grob so viel Gas, wie Flaschenvolumen mal Fülldruck ergibt. Eine 20-Liter-Flasche mit 200 bar enthält also rund 4.000 Liter Gas – genauer laut Gaslieferant etwa 4.270 Liter (bei 15 °C und Normaldruck). Teilst du das durch den Durchfluss am Brenner, hast du die Brennzeit in Minuten:

Brennzeit (min) = Gasinhalt (l) ÷ Durchfluss (l/min)

Beispiel: 4.270 l ÷ 12 l/min = 356 Minuten, also knapp 6 Stunden, in denen der Lichtbogen tatsächlich brennt.

Tabelle: Brennzeit nach Flaschengröße

Die Werte gelten für Argon in Stahlflaschen; Mischgas (z. B. 82 % Argon / 18 % CO2) liegt in derselben Größenordnung. Die genaue Füllmenge deiner Flasche steht auf dem Etikett oder im Datenblatt des Gaslieferanten.

FlascheGasinhalt ca.WIG 8 l/minMAG 12 l/minMAG 15 l/min
10 l, 200 bar2.130 l4,4 h3,0 h2,4 h
20 l, 200 bar4.270 l8,9 h5,9 h4,7 h
50 l, 200 bar10.700 l22,3 h14,9 h11,9 h
50 l, 300 bar15.200 l31,7 h21,1 h16,9 h
Reine Brennzeit des Lichtbogens. Gasinhalt Argon laut Datenblatt Linde, gerundet.

Sonderfall CO2: Hier zählt das Gewicht

Reines CO2 ist in der Flasche größtenteils flüssig und wird nach Gewicht verkauft. Als Faustwert ergibt 1 kg CO2 etwa 540 Liter Gas. Eine 10-kg-Flasche reicht bei 12 l/min also rund 7,5 Stunden, eine 20-kg-Flasche etwa 15 Stunden.

Achtung beim Ablesen: Bei CO2 zeigt das Inhaltsmanometer fast bis zum Schluss etwa 50–60 bar an (bei Raumtemperatur), egal ob die Flasche voll oder fast leer ist. Erst wenn die Flüssigkeit verbraucht ist, fällt der Druck schnell. Wie viel noch drin ist, verrät bei CO2 nur die Waage: Gesamtgewicht minus Leergewicht (steht auf der Flaschenschulter).

Wie viel ist noch drin? Restinhalt ablesen

Bei Argon und Mischgas ist es einfach, weil der Druck mit dem Inhalt sinkt. Das Inhaltsmanometer am Druckminderer (die Anzeige in bar) mal Flaschenvolumen ergibt den Rest:

Restinhalt (l) ≈ Flaschenvolumen (l) × angezeigter Druck (bar)

Zeigt eine 20-Liter-Flasche noch 80 bar, sind etwa 1.600 Liter übrig – bei 12 l/min reicht das für gut 2 Stunden Brennzeit. Fahr die Flasche nicht ganz leer: Ein kleiner Restdruck (üblich sind etwa 2 bar) verhindert, dass Luft und Feuchtigkeit hineingelangen, und der Gaslieferant erwartet ihn bei der Rückgabe.

Warum die Flasche in der Praxis früher leer ist

Die Tabelle rechnet mit reiner Brennzeit. In der Werkstatt kommen drei Dinge dazu, die jeder schon erlebt hat, der sich über eine „schon wieder leere" Flasche gewundert hat:

  1. Brennzeit ist nicht Arbeitszeit. Heften, Teile richten, Schlacke und Spritzer entfernen: Bei Handarbeit brennt der Lichtbogen erfahrungsgemäß nur einen Teil der Zeit. Für die Planung zählen die Stunden mit Lichtbogen, nicht die Stunden in der Werkstatt.
  2. Vorströmen, Nachströmen und der Gasstoß beim Zünden. Bei jedem Zünden strömt Gas vor, nach dem Abschalten nach. Dazu kommt der Gasstoß: Im Schlauch staut sich Gas unter dem vollen Druckminderer-Ausgangsdruck und entweicht beim Zünden auf einen Schlag. Bei vielen kurzen Nähten summiert sich das deutlich. Ein Gassparventil oder ein kürzerer Gasschlauch mindert den Effekt.
  3. Lecks laufen immer – auch in der Pause. Ein undichter Anschluss verliert Gas, solange das Flaschenventil offen ist, nicht nur beim Schweißen. Schon 0,5 l/min, an einer Verschraubung kaum zu hören, sind bei 45 Stunden offenem Ventil pro Woche 1.350 Liter – fast ein Drittel einer 20-Liter-Flasche.

Die zwei einfachsten Gegenmittel: das Flaschenventil nach Feierabend schließen und den Gasweg ab und zu prüfen. Wie das ohne Messgerät geht, steht im Leck-Check in drei Schritten.

Rechner

Wie lange reicht deine Flasche?

Reine Brennzeit–
Wochen bis leer–
Verlust durch Leck–

Näherungsrechnung ohne Restdruck, Vor-/Nachströmen und Gasstoß. Gasinhalte gerundet; maßgeblich sind die Angaben deines Gaslieferanten.

Häufige Fragen

Wie viel Schutzgas brauche ich beim MAG-Schweißen?

Eine verbreitete Faustregel lautet: Drahtdurchmesser in Millimetern mal 10 ergibt den Durchfluss in l/min – bei 1,0-mm-Draht also etwa 10 l/min, bei 1,2 mm etwa 12 l/min. Größere Gasdüsen, Zugluft oder hohe Ströme brauchen mehr. Mehr ist aber nicht automatisch besser: Zu viel Gas strömt turbulent aus und kann Luft mitreißen. Die Angaben von Geräte- und Brennerhersteller gehen vor.

Und beim WIG-Schweißen?

Mit Standard-Gasdüsen liegen typische Werte bei etwa 5 bis 8 l/min Argon, abhängig von Düsengröße und Werkstoff. Bei großen Düsen oder Gaslinsen können es mehr sein.

Lohnt sich eine größere Flasche?

Meistens ja, wenn du regelmäßig schweißt: Der Liter Gas ist in großen Flaschen in der Regel günstiger, und du tauschst seltener. Dafür ist eine 50-Liter-Flasche schwer und braucht einen sicheren Stellplatz mit Kette oder Halter. Für gelegentliche Arbeiten ist eine 10- oder 20-Liter-Flasche handlicher.

Warum zeigt meine CO2-Flasche immer denselben Druck?

Weil CO2 in der Flasche flüssig ist. Der Druck darüber hängt von der Temperatur ab, nicht vom Füllstand – er bleibt bei Raumtemperatur ungefähr gleich, bis fast alles verbraucht ist. Den Füllstand ermittelst du durch Wiegen.

Verliert eine geschlossene Flasche Gas?

Bei intaktem, geschlossenem Flaschenventil praktisch nicht. Gas geht verloren, wenn das Ventil offen bleibt und irgendwo am Gasweg eine Stelle undicht ist – am Ventilanschluss, am Druckminderer, an den Schlauchanschlüssen oder am Geräteeingang.

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